Öffentlichkeitsarbeit Beispiele

Auf dieser Seite berichten wir über die von uns durchgeführte Öffentlichkeitsarbeit. Da gab es Aktionen, wie Bücher- und Infotische, Lesungen, eine Ausstellung, Referate usw.
Da diese Seite sehr umfangreich ist, führen die folgenden Links des Überblicks zu den jeweiligen Themen.

  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch powerfrauen hh

Diverse Öffentlichkeitsarbeit

Teilnahme an der Aktion "Gewalt im sozialen Nahraum"

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Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg initiierte den Präventionspreis 2000 für Projekte die gegen Gewalt im sozialen Nahraum umgesetzt wurden.

Wir reichten als Dokumentation unserer Arbeit eine Mappe ein, in der unsere Aktivitäten aufgeführt waren. Das genügte zwar nicht, um einen Preis zu gewinnen, jedoch wurden Bilder aus unserer Mappe für die Gestaltung der Dokumentationsbroschüre verwendet.

Auszug aus der Dokumentation
"Frauen nach sexuellem Missbrauch" - Aktionen zum Thema sexuelle Gewalt Konstanz 
Die Selbsthilfegruppe beschäftigt sich mit der Aufarbeitung eigener Gewalterfahrungen. Die Zusammensetzung der Selbsthilfegruppe wechselt seit der Gründung, da die Gruppe nur einen Teilabschnitt der Aufarbeitung darstellt.
Die Öffentlichkeitsarbeit wird je nach Zeit und Interesse von einigen oder von allen Frauen getragen. 

Durchgeführte Präventionsmaßnahmen
  • Ausstellung 1993 
  • Bilder, Skulpturen und Texte  
  • Vortrag Kindesmissbrauch 
  • Teilnahme als Betroffene an Diskussionen zu Filmen 
  • zum  Thema "sexueller Kindesmissbrauch" bei von "Frauen helfen Frauen" organisierten Veranstaltungen.
  • Vortrag Sarah 
  • Konfrontationsbegleitung 
  • Vortrag Zuckerpüppchen 
  • 1996 Teilnahme an einer Untersuchung über die Folgen von sexuellem Missbrauch, die im Rahmen einer Diplomarbeit durchgeführt wurde. 
  • Vortrag Erwachsene nach Missbrauch 
  • Prozessbegleitung der Zeugin in einem Prozess, in dem der Täter des sexuellen Missbrauchs angklagt wurde. 1998 
  • 1998 Kontakte mit anderen Gruppen, wurden geknüpft, z.B. Gaya Frauen Schweiz 
  • Stand beim Jubiläumsfest des Stadtteilzentrums "Treffpunkt Petershausen"  
  • Bericht über die Gruppe in der Zeitschrift des Treffpunkts Petershausen 
  • Informationsstand beim gemeinsamen Frauenfest deutscher und schweizer Frauen in CH-Kreuzlingen zum Frauentag am 8. März 1999  
  • Organisation und Betreuung der Lesung "Gute Nacht Zuckerpüppchen", der Autorin Heidi Hassenmüller  
  • Bericht über die Gruppe im "terre des femmes" Kalender 2000 
  • Unterstützung in Krisen 
  • Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs Beispiele 

PROZESSBEGLEITUNG

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zu einem Prozess der 1998 stattfand. 
Vorher: Tipps Ideen und Übungen

  • Vertrauens- und Beratungstelle 
  • Kontakt zur Rechtsanwältin  
  • Aufbau und Strukturierung des Prozesses 
  • Rollenspiele 
  • sprechen üben 

Während: 
Begleitung der Zeugin durch vier Frauen der Gruppe 

Situationsbeschreibung:
Zeugin: junge Frau 
Angeklagter: Mann 
Richter: Mann 
Staatsanwalt: Mann 
Protokollführer: Mann 

Öffentlich über Missbrauch zu sprechen ist schwer. In dieser Kombination vier Männer - eine Frau, als Frau über die persönliche Geschichte des erlebten Missbrauchs zu berichten ist fast unmöglich. Die Zeugin hat es trotzdem geschafft.
Dennoch wurde das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt. 

Danach:
Diese Frau hatte es geschafft, den Inzest öffentlich zu machen, vor einem Gericht und ihrer Familie, die beim Prozess anwesend war.
Das war nur möglich, da sie selbst noch jung war und damit die Verjährungsfrist nicht abgelaufen.
Mitten aus der Verarbeitung des Inzest heraus, Anzeige zu erstatten und einen Prozess durchzustehen, verlangt großen Mut und jede Menge Unterstützung. In der Zeit danach boten wir seelische Unterstützung zur Stabilisierung. 

KONFRONTATIONSBEGLEITUNG

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BEGLEITUNG VON FRAUEN, DIE TÄTER KONFRONTIEREN WOLLTEN

Frauen gehen sehr unterschiedlich mit der Konfrontation von Tätern um. Manche konfrontieren Täter (sofern diese noch leben), manche wollen dies überhaupt nicht. Auch die Zeitpunkte und Orte variieren.  

Vorbereitung in Gesprächen
  • die Frauen erzählen;  
  • sie lernen auszusprechen;  
  • Rollenspiele, um einschätzen zu können, was bei der Konfrontation passieren kann.  
  • Entscheiden über Unterstützung, ob Begleitung oder Verabredung für danach. 

Häufig leben die Frauen nicht mehr am gleichen Ort wie die Täter. Darum schließt eine Begleitung bereits die sichere Hin- und Rückfahrt zum Konfrontationsort mit ein. Nicht nur für das sichere Gefühl der Frau in einer solchen, sehr belastenden Situation ist Begleitung angebracht, sondern auch für die Zeit danach. 

Täter reagieren sehr unterschiedlich auf eine Konfrontation. Die Begleitung stellt sicher, dass es zumindest nicht zu Gewalttätigkeiten kommt. Die Reaktionen der Täter reichen von schweigendem Hinnehmen des Gesagten, über Leugnen, bis hin zu Ansätzen von Reue. Meist jedoch gibt es zumindest einige bestätigende Hinweise. 

Das ist einer der Gründe, warum Frauen sich Begleitung wünschen, denn so gibt es hinterher jemanden, der bestätigen kann, was bei der Konfrontation geschah. 

Workshop gemeinsam mit den GAIA-FRAUEN

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1998 organisierten wir ein gemeinsames Treffen bei den GAIA-FRAUEN. Die GAIA-Frauen sind eine schweizer Frauengruppe aus dem Thurgau, die sich wöchentlich trifft. Über die Aufarbeitung der eigenen Missbrauchsgeschichte hinaus, bieten sie Workshops an, zur Sensibilisierung, was Missbrauch ist, wo er anfängt. Inzwischen werden sie für Fortbildungen an Schulen, bei der Polizei etc. eingeladen.  

Darüberhinaus bieten sie Frauen praktische Hilfe in der Alltagsbewältigung, bei der Suche nach einer Therapie, sowie Beratungsgespräche an. Auch vor Öffentlichkeitsarbeit auf dem Land schrecken sie nicht zurück. Sie unterstützen betroffene Kinder und Mütter bei der Schutzraumsuche, dem Stellen von Anzeigen, Begleitung zur Polizei usw. 

Eine gemeinsame Aktivität mit den GAIA-Frauen war der Workshop zu sexueller Ausbeutung im März 2001. 

DISKUSSION ZU FILMEN

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Wir wurden mehrfach von "Frauen helfen Frauen" gebeten, an ihrer Filmreihe zum Thema sexueller Missbrauch teilzunehmen. An die jeweilige Filmvorführung schloss sich immer eine Diskussion an. 

Eine Besonderheit war die Teilnahme betroffener Frauen an den Diskussionen. So konnten wir Fragen zum "Über"- Leben und heutigen Leben direkter beantworten, als eine Therapeutin das hätte tun können. Die Informationen kamen sozusagen aus erster Hand. 

Allerdings löste die Anwesenheit von uns Überlebenden auch eine besondere Betroffenheit und ein sehr vorsichtiges Miteinander-Umgehen aus. 

Noch lange Zeit nach den Diskussionen wurden wir öfters persönlich von Teilnehmerinnen darauf angesprochen. Persönliche Fragen zu solch einem Thema zu stellen, oder eigene Erlebnisse zu erzählen, benötigt meist einen kleineren Rahmen als Diskussionsrunden. Als Einstieg in das Thema sexueller Missbrauch ist eine "harmlose" Filmvorführung mit anonymer Atmosphäre jedoch geeignet. 

TERRE DES FEMMES Kalender 2000

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TERRE DES FEMMES gibt einen Jahreskalender heraus, die Planerin. Für die Planerin 2000 erstellten wir ein Portrait unserer Gruppe, das veröffentlicht wurde. So sind wir bundesweit bekannt und erreichbar. 

TEILNAHME AN EINER UNTERSUCHUNG

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1996 nahmen wir an einer Untersuchung teil, die im Rahmen der Diplomarbeit von Susanne Lauscher an der Universität Marburg durchgeführt wurde. 

Dabei sollte der Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch in der Kindheit und Dissoziation im Erwachsenenalter untersucht werden. Es war ein 24-seitiger Fragebogen auszufüllen, im dem es um: 

Angaben zur momentanen Lebenssituation 

  • Fragen zu den familiären und sozialen Bedingungen in der Kindheit 
  • Erinnerung an den sexuellen Missbrauch 
  • Folgen des sexuellen Missbrauchs 

ging. Außerdem haben wir Frau Lauscher zusätzliche Informationen zum sexuellen Missbrauch zukommen lassen. 

Die Untersuchung ergab einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad des sexuellen Missbrauchs und dem Ausmaß an Dissoziation. 

Ebenso konnten klare Zusammenhänge zwischen der Häufigkeit von Selbstverletzungen, der Schwere von Symptomen der posttraumatischen Belastungsstörung und des Wohlbefindens festgestellt werden. 

Insgesamt wurde gezeigt, dass sexueller Missbrauch in der Kindheit negative Auswirkungen auf die verschiedensten Lebensbereiche hat.  

Darüber hinaus wurde deutlich, dass diese negativen Auswirkungen umso schwerer sind, je schwerwiegender der Missbrauch war. Schwerwiegend heißt hierbei, dass z.B. der sexuelle Missbrauch sehr früh einsetzte, also bereits im Kleinkindalter, und/oder es niemand gab der die Signale verstand und dem Kind glaubte. 

AUSSTELLUNG "MISSBRAUCH ALS CHANCE"

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Wir organisierten eine Ausstellung von Bildern, Skulpturen und Texten. In der Zeit vom 3. April bis zum 7. Mai 1993 fand sie in Konstanz statt. 

 

Während der Öffnungszeiten war immer eine Frau aus der Gruppe anwesend, um für dieses schwierige Thema Ansprechpartnerin zu sein.

Es gab Öffnungszeiten für alle Interessierten und nur für Frauen, damit auch Betroffene ohne Angst die Ausstellung besuchen konnten.

Wir boten zwei Diskussionsabende an, einen nur für Frauen und einen für alle Interessierten. Die nebenstehenden Fotos und Presseberichte zur Ausstellung geben einen Überblick. 

Die Diskussionsabende, vor allem der für Frauen waren mit rund 25 Frauen für dieses Thema sehr gut besucht.

Als Einstieg zu diesen Abenden las jede Ausstellende einen ihrer Texte während des gemeinsamen Rundgangs durch die Ausstellung.

 

Ausgestellt wurden vor allem Bilder und Skulpturen. Jede Austellende hatte darüber hinaus zumindest einen erklärenden Text ausliegen, manche hatten zu jedem Bild einen Text oder ein selbst verfasstes Gedicht.

So hatten alle Besucher während der Ausstellung die Gelegenheit selbst zu entscheiden, ob sie sich auf die Eindrücke durch Bilder und Skulpturen beschränken wollten oder ob sie weitere Informationen in Textform nutzen wollten.

Die Augen, sie verfolgen, mich wieder - Tag um Tag.

Ich spür' sie immer wieder, egal was kommen mag.

Es sind sie diese Augen, die Augen der Gefahr.

Auf mich gerichtet Blicke, glaub's nur , es ist schon wahr,

Und immer kann ich's fühlen. Bedrohung ganz und gar.

Gefahr durch dieses Augen. Symbol für die Gefahr.

Es ist ein Teil des Lebens. Die Augen überall,

Niemals kann ich's vergessen, ich spür's auf jeden Fall. UH 93

Bücher- und Infotische

INFOSTAND BEIM FRAUENFEST

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Das Frauenfest zum Frauentag am 8. März findet schon seit Jahren grenzüberschreitend statt, abwechselnd in Kreuzlingen (Schweiz) und Konstanz (Deutschland). 

1999 nahmen wir als Gruppe an diesem Fest in Kreuzlingen teil. Wir erstellten Material für einen Informationsstand, organisierten einen Büchertisch und dekorierten den Stand mit Bildern, die betroffene Frauen gemalt hatten. Da der Stand mindestens durch zwei Frauen ständig besetzt war, waren, trotz Feierstimmung, Beratungsgespräche möglich. 

Der Stand war gut besucht, da an dem Fest etwa 200 Frauen teilnahmen. 

JUBILÄUMSFEST "TREFFPUNKT PETERSHAUSEN

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  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch stand und text jubifest
  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch stand und text jubifest

Da wir uns als Selbsthilfegruppe einige Zeit in den Räumen des Stadtteilzentrums "Treffpunkt Petershausen" getroffen haben, gingen wir im Sommer 1998 während des Jubiläumsfestes an die Öffentlichkeit. 

Wie auf dem Foto zu sehen ist, waren wir mit einem großen Stand vertreten. Wir legten Infomaterial, Bilder und Bücher aus.  

Fünf Frauen verbrachten den ganzen Nachmittag dort, so dass über die Begrüßung durch den Oberbürgermeister Dr. Horst Frank hinaus, einige längere Beratungsgespräche möglich waren und auch Frauen duch die ausgestellten Bilder begleitet werden konnten.  

Da jede Menge Kinder an dem Fest teilnahmen, wurden wir auch besonders viel zu Prävention und den Anlaufstellen vor Ort gefragt. 

Lesungen

GUTE NACHT ZUCKERPÜPPCHEN

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  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch bilderdekoration
  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch bilderdekoration

Als Gruppe nahmen wir schon 1994 an einer Lesung mit Frau Hassenmüller in Radolfzell teil. Da wir auch in Konstanz eine Lesung mit ihr organisieren wollten, nahmen wir die Konstanzer Frauenwochen 1999 zum Anlass. 

Auf unsere Anfrage sagte Frau Hassenmüller sofort zu und kam aus den Niederlanden angereist. Finanzielle Unterstützung sagte die Konstanzer Frauenbeauftragte zu. Werbung, Organisation etc. sollten wir selbst übernehmen. Nach einigen Machtkämpfen war es möglich, die Lesung nicht in einem kleinen abgelegenen Kämmerlein, sondern in einem Saal des neuen Kulturzentrums der Stadt Konstanz durchzuführen. 

  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch bilderdekoration
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Der Raum wurde von uns mit Bildern von Überlebenden dekoriert, um zu zeigen, wie die Verarbeitung von sexuellem Missbrauch möglich sein kann.  

Ein Informations- und Büchertisch zu Beratung und Verkauf war aufgebaut. Der Verkauf von Büchern im Anschluss an die Lesung war bahnbrechend.  

An der Lesung und anschließenden Diskussion nahmen 30 Frauen teil. 

Referate

Literaturreferat "Gute Nacht Zuckerpüppchen"

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Gehalten im Mai 1995 in Konstanz

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Heidi Glade-Hassenmüller wurde 1941 in Hamburg geboren. Der Inzest, um den es in diesem Buch geht, begann im Alter von sechs Jahren, durch den Stiefvater. Er endet erst, als sie mit 18 Jahren nach abgeschlossener Mittlerer Reife zu Hause auszieht. Sie beginnt eine Ausbildung als Reedereikauffrau und heiratet dann früh. Als ihr Mann nicht nur sie, sondern auch die beiden Kinder schlägt, verlässt sie ihn nach 12 Jahren Ehe. Ihre zweite Ehe beginnt mit dem Umzug in die Niederlande, obwohl weder sie selbst noch ihre Kinder die Sprache sprechen, da ihr Mann sich dort beruflich verbessern kann. Aus dieser Ehe gehen zwei weitere Kinder hervor.  

Immer häufiger bekommt sie Angstträume, Migräne, Anfälle von Zittern, sie kann nicht mehr allein stehen und ist darum häufig nicht in der Lage, allein aus dem Haus zu gehen. Hinzu kommt massiver Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Dadurch bedingt erfolgt ein völliger Zusammenbruch anlässlich eines Geschäftsessens, der sie nun mit 42 Jahren zu einer Therapie veranlasst. Um etwas für sich zu tun, außerhalb von Ehe, Kindern und einem großen Haushalt mit Repräsentationspflichten, beginnt sie in Verbindung mit einem Fernstudium der Fächer Journalistik und Belletristik, zu schreiben. Heidi Hassenmüller beginnt mit einer Geschichte über die Situation deutscher Kinder in den Niederlanden. In der Therapie spricht sie zum ersten Mal über den Inzest, über den sie bisher geschwiegen hatte, um damit ihre Mutter zu schützen, die schon 15 Jahre zuvor starb. Außerdem  erfuhr die Autorin später, dass ihre Mutter schon früh davon gewusst hatte. Heidi Hassenmüller las häufig von sexuellem Missbrauch und war schockiert, als ihr klar wurde, dass es trotzdem noch immer ein Tabuthema ist.

Irgendwann wurde ihr innerer Druck so groß, dass sie das Gefühl hatte, über ihre Jugend schreiben zu müssen. Noch immer war ihre Angst davor riesig. Sie befürchtete, dass sie es nicht überleben würde, dieses Buch zu schreiben. Als sie "Gute Nacht Zuckerpüppchen" dann fertig hatte, war es ihr sehr wichtig, es zu veröffentlichen, vor allem um damit den Kindern, die heute noch missbraucht werden, zu helfen, aber auch um aufzuzeigen, wie schwer es ist, mit einer solchen Jugend fertig zu werden. Die Reaktionen auf ihr 1989 erschienenes Buch waren sehr unterschiedlich. Sie reichten von Schuldzuweisungen an das Kind, das sie einmal war, bis hin zum "Buxtehuder Bullen", einem Jugendliteraturpreis, der ihr im folgenden Jahr verliehen wurde.  

Bald darauf kam es zur Trennung von ihrem zweiten Mann, der sie acht Jahre lang mit ihrer besten Freundin betrogen hatte. 1991 besuchte sie nach mehr als 20 Jahren ihren Stiefvater noch einmal, um damit das Kapitel ihrer Inzestgeschichte weitgehend abzuschließen. Ein Jahr später erschien das Buch "Zuckerpüppchen - was danach geschah", in dem sie beschreibt wie "Gute Nacht Zuckerpüppchen" entstand. Im Jahr 1993 erschien dann noch ein Buch von Heidi Hassenmüller zum Thema sexueller Missbrauch, mit dem Titel : "Ein Tabu wird abgebaut".  

Im März 1994 findet dazu eine Autorenlesung in Radolfzell statt, die leider nicht wie ursprünglich geplant auch in Schulen stattfinden darf, da sich die zuständigen Rektoren einig sind, dass solch ein Thema nichts für ihre Schüler sei. Als die Autorin davon berichtet, zittert sie stark und erklärt, dass sie solche Reaktionen, auch nach Beendigung ihrer Therapie, immer noch sehr betroffen machen.  

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"Gute Nacht Zuckerpüppchen" beginnt an einem kalten Februarmorgen im Jahr 1947 mit dem Klingeln an der Wohnungstür. Die Autorin beschreibt die erste Begegnung der Kinder Achim und Gaby mit ihrem späteren Stiefvater. Dabei skizziert sie die Nachkriegszeit, in der Hunger, miserable Lebensumstände und die noch nicht bewältigte Angst der Kriegszeit vorherrschen ebenso, wie das  tödliche Erschrecken der Mutter als sie die Nachricht vom Tod ihres Mannes erhält. Der Kriegskamerad des Vaters der Kinder wird bald zu ihrem Pappi. Die sechsjährige Gaby verlässt verstört das Zimmer als Pappi zum ersten Mal Achim mit einem Gürtel schlägt, die leise Ankündigung der Strafe klang für sie "wie ein Blitz ohne Donner".

Gaby ist ein kränkelndes Kind und soll darum mittags einige Zeit ruhen. Da ihr das langweilig ist, bittet sie bei Pappi liegen zu dürfen und hofft, dass er ihr eine Geschichte erzählt. Sie freut sich auf eine lustige Geschichte, da Pappi vom Zuckerpüppchen erzählen will und "Zuckerpüppchen das war doch sie selbst".1) Mit Worten und seinen Fingern beschreibt er wie ein Zuckerpüppchen ist:

‘Und das kleine Zuckerpüppchen hatte einen kleinen dünnen Bauch.’ Beinahe hätte Gaby wieder gelacht, denn das kitzelte, aber schnell schluckte sie das Lachen hinunter. ‘Und was hat das kleine Zuckerpüppchen noch mehr?’ Pappis Finger glitten in ihren Schlüpfer und streichelten ihre Muschi. Erschrocken presste Gaby ihre Beine zusammen. ‘Das darf man nicht’ sagte sie. Doch Pappi hörte nicht, seine Finger taten ihr weh, als er sich zwischen ihre Beine zwängte. ‘In einer Geschichte darf man alles.’Er streichelte sie. ‘Gefällt dir das nicht?’ Gaby kniff die Augen fest zusammen. ‘Nein.’ sagte sie. ‘Hör auf, das ist eine doofe Geschichte.’ ‘Ich will aber nicht aufhören’ sagte Pappi leise, und es klang wie damals, als er Achim verhaute. Ein Blitz ohne Donner... ‘Dass du nichts Mutti erzählst. dann wird sie böse auf dich, und ich mag dich auch nicht mehr. Das ist jetzt unser Geheimnis.’2)

  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch gemeinsames Bild an Sylvester 95 gemalt von den Gruppenfrauen

Bei ihrer ersten Kommunion wünscht sich Gaby, immer im Kloster sein zu dürfen, und nicht nur dort zur Schule gehen zu dürfen. Sie gewinnt zum ersten Mal eine Freundin, hat aber nicht den Mut ihr etwas zu erzählen, auch nicht als Elli bei ihr übernachten darf. Morgens beim Waschen fasst Pappi auch Elli an, Gaby erkennt es sofort an Ellis Reaktion danach. Elli will nicht mehr ihre Freundin sein, sie erzählt es ihrer Mutter, und die geht mit ihr zur Rektorin. Gaby wird befragt, ob ihr Stiefvater sie auch schon mal so "unkeusch angefasst" habe, sie leugnet. Daraufhin wird sie nicht nur von Elli, sondern auch von allen anderen Kindern gemieden. Gaby lernt noch mehr als zuvor und verlässt bald darauf als Klassenbeste die katholische Grundschule. Gaby hat keine Hoffnung, dass sich an ihrer Situation noch mal etwas ändert, sie ist schon froh, wenn Pappi sie nicht so oft verfolgt. Er hatte sich an eine 14-Jährige herangemacht, die nun von ihm schwanger ist. Als Mutti das erfährt, schneidet sie sich die Pulsadern auf. Durch die schnelle Reaktion der Kinder, die das im Nebenzimmer mitbekommen haben, kann sie gerettet werden. Kurz darauf erfahren Gaby und Achim, dass nun Mutti schwanger ist. Gaby betet inbrünstig, das Kind möge ein Junge werden. Pappi lässt sie fast keinen Tag mehr in Ruhe, bald bekommt sie einen juckenden Hautausschlag am ganzen Körper. Sie geht zum Hausarzt und bittet um eine Bescheinigung, dass der Ausschlag nicht ansteckend ist. Dr. Rehbein fragt zwar, ob sie Probleme habe, aber Gaby kann nichts sagen. Er spricht mit Gabys Lehrerin, daraufhin verbessert sich Gabys Kontakt zu ihren Mitschülerinnen, doch nie wieder läßt sie ein Mädchen auch nur für einen Augenblick allein, wenn Pappi in der Nähe ist.  

In den Ferien schickt sie Dr. Rehbein aufs Land. Die Bäuerin sagt, Gaby sei kein Kind, sie habe keine Kinderaugen. Gaby legt sich auf eine Wiese und denkt daran, wie Mutti Pappi damit gedroht hat sich umzubringen, wenn er sie noch mal betrügt. Sie fragt sich ob das Betrügen sei, was Pappi mit ihr macht. Sie will liegenbleiben, um zu sterben, denn sie würde so gern ohne Angst leben. Wenn sie nur "eine einzige Hand"3) hätte, die ihr helfen würde, dann würde sie weiterleben wollen. Spätabends wird sie gefunden und zu ihren Ferieneltern zurückgebracht. Gaby bekommt einen Bruder und glaubt, sie sollte dankbar sein, dass ihr Gebet erhört wurde, doch sie ist nicht dankbar, sie möchte auch ein Junge sein. Sie geht nicht mehr zur Beichte, weil ihr sowieso niemand helfen könne. Es war gut das zu wissen. Dann wartete man nicht. Sie war allein.4) Achim geht als zweiter Steward zur See, nachdem Pappi auch seine Freundin angefasst hat. Als sie dringend neue Turnschuhe braucht, schickt Mutti sie zu Pappi um ihn um das Geld zu bitten. Pappi fordert, sie solle dafür "ein bisschen lieb zu ihm sein".5) Ihr fällt die Lehrerin ein, die auch schon gesagt hatte, sie bräuchte neue Turnschuhe, sie fragt sich, ob sie jetzt eine Hure sei.

Gaby ist dreizehneinhalb als sie zum ersten Mal menstruiert. Sie spürt, jetzt will Pappi noch mehr, er will alles. Sie wird immer nervöser. Die Lehrerin fragt, ob sie ihr helfen könne, doch Gaby kann wieder nichts sagen. Eines Abends geht Mutti weg, Gaby passt auf Mark auf, da kommt Pappi früher nach Hause. Er will sich mit ihr einen schönen Abend machen und hat auch Wein mitgebracht. Sie weiß, wenn sie getrunken hat, ist es nicht so schlimm. Doch ihre Angst ist größer, sie nimmt sich Geld und flieht. Sie geht an die Elbe und überlegt wieder, ob sie ein Ende machen soll, doch da sie das Geld mitgenommen hat, will sie lieber als blinder Passagier auswandern. Sie nimmt sich ein Zimmer und erzählt, sie warte hier auf ihre Eltern, so will sie die Tage überbrücken, bis das nächste große Schiff kommt. Doch dann bricht ihr Ausschlag wieder aus, sie bekommt Fieber, hat Alpträume und fühlt sich verfolgt. Die Wirtin benachrichtigt die Polizei, Pappi holt sie auf der Wache ab. Gaby antwortet auf keine Frage und Pappi schiebt ihr Weglaufen auf das Fieber, er verspricht, sie zum Hausarzt zu schicken, dann können sie gehen.  

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Pappi fährt in einen Feldweg, öffnet seine Hose und kommt zu ihr nach hinten. "Na, Zuckerpüppchen, begreifst du jetzt, dass du nicht weglaufen kannst?" Pappi zieht ihr den Schlüpfer runter, er scheuert die Wunden an den Beinen auf, sie bluten. "Mach sie breit die Beine!’ Pappi drückte sie hart nach hinten, so dass ihr Kopf seltsam angewinkelt zwischen Sitzbank und Seitenlehne zu liegen kam. Als er dann mit voller Kraft in sie eindrang, schrie Gaby nicht. Sie biss auf ihre Lippen, auf ihre Zunge, kein Laut brach aus ihr hervor. Er lag schwer atmend auf ihr und keuchte an ihrem Ohr: ‘Sag, dass du es schön findest, sag es, sag es...’ ... Pappi stöhnte und zog sich aus ihr zurück. Es war vorbei. " ... Vorsichtig drückte er Gabys Beine zusammen, die wie bei einer Gliederpuppe leblos auseinanderhingen. "6)Als Pappi sie zur Wohnung herein schleppt, beklagt sich Mutti nur darüber, dass sie so blutend und schmutzig ins saubere Bett soll. Gaby trifft mit Pappi eine Abmachung, dass er zweimal die Woche dürfe, wenn er sie sonst in Ruhe lasse, da sie sonst nicht lernen könnte. Währenddessen sagt sie sich, es sei nicht so schlimm, sie träumt sich auf eine schöne Sommerwiese und tröstet sich damit, dass es nie länger als eine Viertelstunde dauert.

Gaby verliebt sich in Horst und hält darum einen Abend mit Pappi nicht ein, an dem Mutti wie immer weg ist. Pappi verprügelt und vergewaltigt sie brutal, als sie nach Hause kommt. Er zwingt sie zu erzählen, sie sei die Treppe heruntergefallen. Dr. Rehbein glaubt ihr nicht, dass sie nur gefallen sei, als er am nächsten Tag ihr Ohr näht, ihr verklebtes Auge reinigt, ihre gespaltene Lippe bepinselt und ihre angebrochenen Rippen untersucht. Doch da Gaby dabei bleibt, nur gefallen zu sein, lässt er sie gehen. Mutti erschrickt zwar, als sie sie sieht, doch sie glaubt ihre Geschichte. Pappi will nur ihr Versprechen, dass in zehn Tagen ihre Abmachung wieder gilt. Pappi bekommt die Adresse von Horst heraus, er geht zu dessen Mutter und warnt diese vor Gaby. Horst fragt, ob sie noch unschuldig sei, doch Gaby spürt, es ist sinnlos zu antworten, es ist aus. Sie springt, von einer Brücke aus, vor einen Zug, der dann auf dem Nebengleis vorbeifährt. Mit relativ geringen äußerlichen Verletzungen, aber einem Nervenfieber liegt sie zunächst drei Tage bewusstlos im Krankenhaus. Zurück zu Hause erklärt sie Pappi den Krieg, sie schützt sich mit einem Brotmesser vor seinem Angriff. Er glaubt sie hinge noch an Horst, doch sie sagt ihm, der einzige Grund warum sie nicht wolle, sei dass sie ihn hasse.  

  • öffentlichkeitsarbeit sexueller missbrauch wut

Gaby beginnt eine Ausbildung und erkundigt sich beim Vormundschaftsgericht nach den Bedingungen für eine vorzeitige Volljährigkeitserklärung mit achtzehn. Sie hat nur noch dieses Ziel in zwei Jahren im Auge. Sie kann sich nicht immer vor Pappi schützen, immer wieder vergewaltigt er sie, trotzdem ist die Stimmung zu Hause schlecht, seit er nicht mehr regelmäßig Gelegenheit dazu hat. Sie gibt jetzt der jüngeren Martie Nachhilfe, doch wenn sie bei Gaby lernen, passt sie auf, dass Pappi keine Chance bekommt, sie anzurühren, denn er verfolgt Martie mit seinen Blicken. Irgendwann sind die zwei Jahre um, und wieder einmal wacht Gaby  im Krankenhaus auf. Sie erinnert sich an ihren Plan:  Alles verlief programmgemäß. Mutti ging zum Bridge. Mark schlief bei Albert. Martie kam pünktlich wie immer. Pappi saß am Ofen. Er trank Bier und Korn und gierte ... zu den Mädchen.7)  Marties Vater würde nicht länger als fünf Minuten brauchen um Martie abzuholen, nachdem Norbert ihm Bescheid gesagt hätte, kurz vorher wollte sie gehen. Jetzt war es soweit. Sie läßt die Wohnungstür angelehnt, damit Marties Vater direkt herein kommen kann. Sie wartet im Keller, aber er kommt nicht, sie muss Martie helfen. Sie rennt nach oben und hört schon Marties verängstigtes Rufen: "Nein, nein, bitte nicht!"8) Gaby zerrt Pappi zurück, sie gebietet Martie wegzulaufen, dann trifft sie der erste Schlag, Martie läuft weg, die Tür fällt zu, niemand kann ihr zu Hilfe kommen...

Mutti unterschreibt den Antrag auf Volljährigkeit, Dr. Rehbein hätte sonst Anzeige erstattet, er hatte "zum zweiten Mal das zusammengeschlagene Stück Mensch gesehen",9) und jetzt verstand er plötzlich. Mutti fragt den Arzt, wie sie denn weiterleben solle, wenn sie das glauben würde; sie wird Gaby nie verzeihen, dass sie ihr das antut.  Dr. Rehbein sagt, in Augenblicken der Verzweiflung zähle nicht, was richtig oder verkehrt sei, sondern nur, was uns weiterleben ließe.

Im Nachwort schreibt Barbara Kavemann, eine Berliner Sozialwissenschaftlerin und Co- Autorin von "Väter als Täter", wir sollen nicht denken, dass solche Dinge heute nicht mehr geschehen werden. Auch heute sei es schwer für ein Mädchen, jemanden zu finden, dem sie von der sexuellen Ausbeutung erzählen könnte. Jedes dritte Mädchen mache bevor sie 16 Jahre alt sei, Erfahrungen mit sexueller Gewalt, meist seien es Freunde, Bekannte, Männer aus der Familie, der Stiefvater oder der Vater. Sie berichtet, wie häufig es Abmachungen gäbe, um den Familienfrieden zu erhalten. Mädchen würden wie Gaby schweigen, um die Mutter zu schützen, oder weil sie sich für mitschuldig am sexuellen Missbrauch hielten.  

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Langsam gäbe es Veränderungen, weil erwachsene Frauen öffentlich von damals erzählen würden und weil sie Beratungsstellen eingerichtet hätten. Oft begänne der Missbrauch so früh, dass die Kinder noch gar nicht genau wüssten, was da mit ihnen gemacht werde, doch dass sie das nicht wollen, wüssten sie genau. Barbara Kavemann erklärt, dass nicht alle Täter so gewalttätig seien, wie Gabys Stiefvater. Häufig genüge der psychische Druck auf ein Kind, damit es schweige, da es glaube, es sei schuldig und schmutzig. Sie denkt, dass die Gaby auch deshalb nichts gesagt habe, weil es niemanden gab, der genug über Inzest wusste, um richtig zu fragen, bzw. der in der Lage gewesen wäre, die Anzeichen so zu deuten. Sie fordert, dass wenigstens heute die Fachleute, wie z.B. Ärzte, Polizisten, Lehrer und Erzieher, Anzeichen, die auf sexuellen Missbrauch deuten können, erkennen. Sie macht deutlich, dass: "Nur wenn viele Menschen etwas dafür tun, dass die Information über sexuellen Missbrauch weiter getragen wird und viele Mädchen davon hören und wissen: Sie sind nicht die einzigen, denen so etwas passiert; sie sind nicht schuld daran; sie dürfen das Schweigen brechen, auch wenn sie versprochen haben, nichts zu sagen usw. - erst dann wird sich für Mädchen etwas ändern."10) Barbara Kavemann schließt mit dem Wunsch, "dass dieses Buch viele Mädchen und Frauen ermutigt, über ihre Erfahrungen zu sprechen und die Unterstützung anderer Frauen zu suchen - nicht alleine zu bleiben und zu schweigen".11)

Um dieses Schweigen zu brechen, müssten die Verjährungsfristen dieser Taten dringend geändert werden.  Denn zehn Jahre für sexuelle Nötigung sind ebenso unzureichend, wie 20 Jahre für eine Vergewaltigung, da die meisten Opfer sich erst nach einer Therapie zur Anzeige entschließen können, also oft erst mit über Dreißig. Es ist erschreckend, dass eine Vergewaltigung definitionsgemäß nur den Vaginalverkehr beinhaltet, als ob eine orale oder anale Vergewaltigung weniger schlimm wären. "Gute Nacht Zuckerpüppchen" beschreibt die Gefühle eines Kindes in sexuellen Ausbeutungssituationen sehr gut und genau. Auch in den weniger brutalen Szenen, als z.B. der Vergewaltigungsszene, wird deutlich, wie sehr Inzest die Opfer verwirrt. Sehr häufig geschieht es wie bei Gaby, dass die eigene Mutter wegsieht. Viele Mütter, die so reagieren, waren als Kinder selbst sexueller Gewalt ausgesetzt und auf eine große Anzahl der Täter trifft das ebenso zu. Die traumatischsten, tiefgreifendsten Folgen entstehen meistens erst dann, wenn es entweder immer wieder geschieht, bzw. wenn niemand hilft.

Darum sollten viele Menschen auf Signale von Kindern achten, indem sie genauer hinsehen, warum ein Kind ungewöhnlich reagiert. Alle Kinder versuchen Hilfe zu bekommen, aber selbst, wenn sie es klar aussprechen, müssen sie im Durchschnitt 6 Erwachsene ansprechen, bis ihnen jemand glaubt. Es geht bei sexueller Nötigung aber nicht nur, wie hier beschrieben, um Mädchen, sondern auch jeder achte Junge ist davon betroffen. Jungen werden zwar häufiger als Mädchen von  Frauen sexuell ausgebeutet, doch zu 80 % sind es auch hier Männer, die  missbrauchen. Meistens sind es nach außen ganz normale, gute Bekannte oder Familienmitglieder, (keineswegs homosexuelle) nur 6% aller Täter sind Fremde.

Ebenso wie Heidi Hassenmüller und Barbara Kavemann wünsche ich mir noch viel mehr Öffentlichkeit für dieses Thema. Nur wenn der Inzest nicht mehr verschwiegen wird, nur dann besteht die Möglichkeit, Kinder wenigstens in Zukunft wirksamer vor allen Formen sexueller Gewalt zu schützen.

Alle Zitate aus "Gute Nacht Zuckerpüppchen" von Heidi Glade-Hassenmüller, erschienen 1989 im Georg Bitter Verlag, Recklinghausen  1) S. 18  2) S. 19  3) S. 52  4) S. 60    5) S. 64  6) S. 82  7) S.154  8) S.156  9) S.157  10) S.168 11) S.169

Sonstige verwendete Literatur 

  • Heidi Hassenmüller, Zuckerpüppchen - was danach geschah, Georg Bitter Verlag 1992 
  • Heidi Hassenmüller, Ein Tabu wird abgebaut, Georg Bitter Verlag 93 
  • Kavemann/ Lohstöter, Väter als Täter. Sexuelle Gewalt gegen Mädchen, Rowohlt 1985 
  • Bass/ Davis, Trotz allem. Wege zur Selbstheilung für sexuell missbrauchte Frauen, Orlanda Frauenverlag 1990 
  • Ursula Enders, Zart war ich, bitter war‘s. Sexueller Missbrauch an Mädchen und Jungen. Erkennen - Beraten - Schützen, Volksblatt Verlag Köln 1990
  • Aktuelle Zahlen aus der Broschüre des Bundesministeriums für Frauen und Jugend: "Wie kann ich mein Kind vor Gewalt schützen" 

uh 95 

"Sarah"

Gehalten im März 1995 in Konstanz

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In dem Film "Sarah" ging es um sexuellen Missbrauch, manche Menschen meinen, dass es auch andere wichtige Themen gäbe, über die man reden sollte. Das ist sicher richtig, doch kaum eine andere Gewaltform geschieht so direkt vor unseren Augen, täglich und immer wieder an Kindern und kaum ein anderes Thema wird so verharmlost und nur selten schauen so viele so konsequent weg. Sexueller Missbrauch ist eine Handlung, bei der einer der Beteiligten nicht in der Lage ist, selbst und eigenverantwortlich einzuwilligen.  

Dass ein Mädchen wie Sarah nicht häufiger missbraucht wird, ist eher untypisch. Einmal stattfindende sexuelle Ausbeutung gibt es eher bei Jungen. Mädchen sind durchschnittlich, über einen Zeitraum von sieben Jahren sexueller Gewalt ausgesetzt. Fast die Hälfte der Kinder ist zwischen sechs und zehn Jahren alt, wenn es zum ersten Mal geschieht. Fast ein Drittel ist jedoch jünger als fünf Jahre und nur etwa 20% der Opfer sind zehn Jahre oder älter, also keineswegs die gern genannten pubertierenden Lolitas. Etwa jedes vierte Mädchen und 6% der Jungen haben, bevor sie 16 Jahre alt sind, sind Erfahrungen mit sexueller Gewalt gemacht. Sehr oft werden auch Behinderte missbraucht.  

Sarah wird von einem Nachbarn sexuell ausgebeutet, doch sehr viel häufiger geschieht es innerhalb der Familie, Täter sind meist Väter, Stiefväter oder andere Männer aus der nächsten Umgebung, nur 6% sind Fremde, meistens ist es also Inzest. Die zu über 90% männlichen Täter, findet man quer durch alle Schichten, oft waren sie als Kinder selbst sexueller Gewalt ausgesetzt. Das trifft auch auf viele Mütter zu, die ihren Kindern nicht helfen, obwohl mindestens die Hälfte der Mütter davon weiss. Täter halten Inzest nicht für ein Unrecht, sondern geben im Gegenteil die Schuld daran an das Kind weiter, so wie Sarah auch gesagt wird, sie sei schuld, weil sie sich neben ihn gesetzt habe. Täter sind meistens weder krank, noch homosexuell, man sieht ihnen auch nichts an.  

Sexuelle Ausbeutung ist ein Missbrauch von Macht und Gewalt. Misstrauisch werden sollte man z.B. bei Männern, die sagen:" Meine Kinder gehören mir." Aber auch, wenn Kontakt zu einer Familie nur über die Kinder gesucht wird oder wenn jemand sehr häufig versucht mit einem Kind allein zu sein. Es geht bei sexueller Gewalt nicht, wie oft behauptet, um ein Kavaliersdelikt, weder wenn es hier geschieht, doch auch nicht dann, wenn deutsche Männer ins Ausland fahren, um, ungefährdet vom deutschen Strafrecht, dort Kinder sexuell auszubeuten. Doch auch bei uns sind Täter kaum gefährdet, da nur etwa 10% aller Taten angezeigt werden. Um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, ist es wichtig, ihnen beizubringen, dass sie das Recht auf ihren eigenen Körper  haben, dass sie "Nein" sagen dürfen, wenn sie etwas nicht wollen. Kinder sollten ihren Gefühlen glauben dürfen. Es ist falsch, wenn ihnen häufig gesagt wird, etwas sei nicht so, wie sie denken, weil Kinder sonst irgendwann ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen.

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Wenn Kinder wissen, was Sexualität überhaupt ist und wenn man mit ihnen auch über Missbrauch spricht, dann können sie wenigstens hinterher erzählen, was passiert ist. Kinder, die nur Geschichten vom "bösen Mann" kennen, können nichts erklären, wenn ihnen Gewalt angetan wurde. Wenn man mit Kindern über Inzest spricht, sollte man ihnen sagen, dass es schlechte Geheimnisse gibt,  die unangenehm sind und darum nicht geheimgehalten werden müssen.  Alle Kinder sollten erfahren, dass niemals sie daran schuld sind, wenn sie sexuell ausgebeutet werden. Wenn Kindern die Möglichkeit gegeben wird, zu erzählen, was passiert ist, dann müssen sie nicht mehr sechs Erwachsene ansprechen, bevor jemand ihnen glaubt. Im ersten Moment wollte auch Sarah reden, doch da war niemand da. Später nahm ihr die Mutter durch Schimpfen und Ohrfeigen jede Chance, sich ihr anzuvertrauen.

Sarah duscht immer wieder, sie fühlt sich schmutzig. Das ist eine typische Reaktion auf sexuelle Gewalt, ebenso wie ihre Schulschwierigkeiten. Weitere häufige psychische Störungen sind Bettnässen, ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, sowie Sprach-, Ess- und Konzentrationsstörungen. Aufmerksam machen sollten alle plötzlichen Verhaltensänderungen, vor allem altersunangemessenes Wissen über Sexualität, Suizidabsichten und Süchte verschiedenster Art. Sarah zerschneidet in dem Film ihre neue heißgeliebte Jacke.  

Noch häufiger kommt es vor, dass Kinder nicht irgendwelche Dinge zerstören, sondern dass sie sich selbst verletzen.  Das Verhalten von Jungen, richtet sich eher nach außen, wie z.B. durch Aggressionen gegen andere. Mädchen reagieren häufiger mit Autoaggressionen. Weitere Anzeichen, die auf sexuellen Missbrauch deuten können, sind auffallend häufige Verletzungen verschiedenster Art, aber auch Allergien, dabei vor allem Hautprobleme, hinzu kommen Bauchschmerzen und bei Mädchen Blutungen, außerhalb der normalen Menstruation. Wenn man bei einem Kind eines oder mehrere dieser Anzeichen feststellt, dann braucht dieses Kind fast immer Hilfe.

Es muss aber nicht unbedingt sexuelle Gewalt sein, viele der erwähnten Probleme können auch auf körperliche Misshandlung, körperliche und/ oder psychische Vernachlässigung hinweisen. Keinesfalls darf man überstürzt handeln. Immer sollte man sich zuerst Hilfe bei Beratungsstellen suchen, das ist auch anonym möglich. Das Jugendamt untersucht einen Verdacht ebenfalls und handelt aber eher langsam. Dabei besteht die Gefahr, dass das Kind schweigt, sei es, um die Mutter zu schützen oder weil es sich für mitschuldig am sexuellen Missbrauch hält. Dann hat das Jugendamt kaum Möglichkeiten zu helfen. Selbst Kinder, die etwas gesagt haben, leugnen es oft wieder, wenn sie weiterhin in einer Familie mit dem Täter leben müssen.  

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Wenn Kindern nicht schon sehr früh geholfen wird, dann kommt es zu verschiedensten Spätfolgen im Erwachsenenalter. Dazu gehören Süchte und Zwänge, wie z.B. der Waschzwang, aber auch suizidale Tendenzen, Autoaggression und verschiedenste psychosomatische Beschwerden. Darunter sind Verspannungen, Zysten, Ängste, Phobien, Depressionen und Panikanfälle. Es gibt die Angst vor der Entdeckung, die Angst dass man es sieht. Der Inzest wird als persönlicher Makel empfunden. Große Schwierigkeiten haben die meisten Betroffenen mit Sexualität. Angefangen von Angst vor der Sexualität, über unerwünschte, meist gewalttätige Phantasien, bis hin zum anderen Extrem der Prostitution. Kinder werden oft mit kleinen Belohnungen unter Druck gesetzt, und manche Erwachsene empfinden die Bezahlung bei  Prostitution als zwar unangenehme, aber vertraute Situation. Schwierigkeiten mit Beziehungen und Partnerschaften enden ohne Therapie, fast immer entweder wieder in Missbrauchsbeziehungen oder darin, selbst zum Täter zu werden. Viele Betroffene haben Angst vor Körperkontakt, nicht nur in sexueller Hinsicht.

Alltägliche, kleine Auslöser führen dazu, dass alte Gefühle, wie Schmerz, Trauer, Wut und Scham wieder hochkommen, da Kinder diese Gefühle in Missbrauchssituationen nicht voll erleben dürfen, weil sie es nicht verkraften würden. Drei von vier Frauen in der Psychiatrie,  drei von vier mit Essstörungen und vier von fünf Drogenabhängigen haben Erfahrungen mit sexueller Gewalt. Jede Zweite mit der Diagnose Schizophrenie hat Inzest erlebt. Noch wenig erforscht ist die Diagnose multipel, man vermutet jedoch inzwischen, dass viele PatientInnen eher multipel, als schizophren sind. Die multiple Persönlichkeit ist eine extreme Form des Abspaltens. Dabei werden entweder Gefühle oder Schmerzen, oder die ganze Situation ausgeblendet. Es gibt viele Überlebende sexueller Gewalt, man sollte ihnen glauben, sie haben keine Schuld. Sie sind, nicht nur aus Folgen, bestehende Opfer. Sie haben auch viele andere Eigenschaften. Doch oft werden sie von ihren Erinnerungen eingeholt, wie Sarah, die in der Schlussszene die Kugeln klacken hört, so wie während des Missbrauchs.     uh 95

Angegebene Zahlen aus der aufgeführten Literatur und der Broschüre des Bundesministeriums für Frauen und Jugend: "Wie kann ich mein Kind vor Gewalt schützen " 

Referat über Erwachsene nach sexuellem Kindesmissbrauch

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Gehalten im April 1996 in Konstanz 

Inhaltsverzeichnis 
  • 1     Einleitung
  • 1.1   Probleme dieser Welt
  • 1.2   Thematische Einleitung (Begriffe, nennt es...)
  • 1.3   Warum ist mir dieses Thema wichtig?
  • 1.4   Eingrenzung
  • 2     Zahlen
  • 2.1   Zahlen (Kinder, Täter, Mütter, Erwachsene, z.B. Psychiatrie)
  • 2.2   Zahlen (Folgen schwer, aber ...)
  • 2.3   Zahlen (Folgen wenn keiner hilft, 10% Anzeigen)
  • 3      Erwachsenenrealität
  • 3.1   Therapie
  • 3.2   Verjährung
  • 4      Folgen
  • 4.1   Allgemein
  • 4.2   Auswirkungen
  • 4.2.1 Selbstwert (hässlich, schmutzig, andere denken das auch)
  • 4.2.2 Beziehungen (Körperkontakt)
  • 4.2.3 Partner, Sexualität
  • 4.3   Körper
  • 4.3.1 Psychosomatik (Verspannungen, Zysten, Allergien...)
  • 4.3.2 Unfälle
  • 4.4   Psyche
  • 4.4.1 Depressionen, Suizid
  • 4.4.2 Zwänge
  • 4.4.3 Phobien, Panikanfälle
  • 4.5   Auslöser
  • 4.5.1 Husten, Bilder
  • 4.5.2 Gefühle von damals
  • 4.6   Gefühle
  • 4.6.1 Abspalten (Angst verrückt zu werden)
  • 4.6.2 Was ist Wut?
  • 4.7   Autoaggression
  • 4.7.1 Sucht
  • 4.7.2 Direkte Autoaggression
  • 4.7.3 Warum Autoaggression?
  • 5      Konsequenzen
  • 5.1   Energieverbrauch
  • 5.2   Nachholen
  • 5.3   Nicht verrückt, angemessen auf Todesnäheerfahrung
  • 5.4   Es kann geholfen werden
  • 6      Schlusswort
1 Einleitung
1.1 Probleme dieser Welt

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Es passiert mir häufig, dass ich irritiert bin, wenn ich mitbekomme, wie sich Menschen über soziale Themen unterhalten. In langen Diskussionen  wird über die verschiedensten Probleme in dieser Welt debattiert, jedoch meistens über alles was ganz weit weg geschieht, so dass man selbst eben nichts tun kann.

Ich bin sicher, dass es unzählige solcher Themen gibt, doch ich möchte heute ein Thema ansprechen, das es überall, ganz in der Nähe gibt. Es ist sicher kein schönes Thema, doch es ist eines, von dem ich glaube, dass es keinen Men­schen gibt, der damit nicht früher oder später einmal in Kontakt kommt. Und jeder hat dann die Möglichkeit irgend etwas zu tun. 

Es ist sicher richtig, dass es überall verschiedenste Formen von Gewalt gibt, doch kaum eine Gewaltform geschieht so direkt vor unseren Augen, täglich und immer wieder an Kindern und kaum ein anderes Thema wird so verharm­lost, und nur selten schauen so viele so konsequent weg. 

1.2 Thematische Einleitung (Begriffe, nennt es...)

Es geht um:
Inzest - Sexuelle Gewalt - Sexuelle Nötigung - Sexuelle Ausbeutung - Sexueller Kindesmissbrauch
Ich denke, Ihr könnt es nennen wie Ihr wollt!
Von mir aus nennt es "Hugo".  
Es ist nicht wichtig, wie man es nennt,  
wichtig ist nur, wie es ist. 

UND, ich meine:
Es ist schrecklich, so schrecklich, dass es für die betroffenen Kinder zunächst einmal nur darum geht, zu überleben, ganz egal wie.
Egal welchen Begriff man verwendet, sexueller Missbrauch ist eine Handlung, bei der einer der Beteiligten nicht in der Lage ist, selbst und eigenverantwortlich einzuwilligen. Es geht dabei keineswegs um Sexualität, sondern vor allem um den Missbrauch von Macht und Gewalt. 

1.3 Warum ist mir dieses Thema wichtig?

Im Jahr 1993 erschien ein Buch von Heidi Hassenmüller zum Thema sexueller Missbrauch, mit dem Titel : "Ein Tabu wird abgebaut". Im März 1994 fand dazu in Radolfzell eine Autorenlesung statt, die leider nicht wie ursprünglich geplant, auch in Schulen stattfinden durfte, da sich die zuständigen Rektoren einig waren, dass solch ein Thema nichts für ihre Schüler sei. Als die Autorin davon berichtete, zitterte sie stark und erklärte, dass sie solche Reaktionen, auch nach Beendigung ihrer jahrelangen Inzesttherapie, immer noch sehr be­troffen machen. 

Mir ist es wichtig, dass sich solche Ereignisse nicht wiederholen. Ich hoffe, dass es zwei Jahre später an der Fachhochschule Konstanz möglich ist, über dieses Thema zu reden.

1.4 Eingrenzung

In einem zwanzigminütigen Referat ist es nicht möglich, einen umfassenden Einblick in dieses Thema zu geben, darum beschränke ich mich auf einen  Teilbereich.

Die meisten Menschen, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, sind der Meinung, dass es schon sehr schlimm ist, dass so etwas passiert, aber sie kennen kein Kind, bei dem sie so etwas vermuten würden, und das ganze Theater, das dann nach vielen Jahren noch darum gemacht wird, sei sowieso Quatsch. Sie selbst hätten auch keine problemlose Kindheit gehabt, doch sie würden jetzt im Heute leben und nicht mehr in der Vergangenheit wühlen. Darum möchte ich über die, inzwischen erwachsenen, Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch  sprechen.

2 Zahlen
2.1 Zahlen (Kinder, Täter, Mütter, Erwachsene, z.B. Psychiatrie)

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Beginnen möchte ich mit ein paar Zahlen:
Etwa jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge haben, bevor sie 16 Jahre alt sind, Er­fahrungen mit sexueller Gewalt gemacht. Sehr oft werden auch Behinderte missbraucht.  

Mädchen sind durchschnittlich über einen Zeitraum von sieben Jahren sexueller Gewalt ausgesetzt. Einmal stattfindende sexuelle Ausbeutung gibt es eher bei Jungen. Fast die Hälfte der Kinder ist zwischen sechs und zehn Jahren alt, wenn es zum ersten Mal geschieht. Fast ein Drittel ist jedoch jünger als fünf  Jahre und nur etwa 20% der Opfer sind zehn Jahre oder älter, also keineswegs die gern genannten puber­tierenden Lolitas.

Täter sind meist Väter, Stiefväter oder andere Männer aus der nächsten Umge­bung, nur 6% sind Fremde, meistens ist es also Inzest. Jungen werden zwar häufiger als Mädchen, von Frauen sexuell ausgebeutet, doch zu 80 % sind es auch hier Männer, die  missbrauchen. Es sind nach außen ganz normal wirken­de,  gute Bekannte oder Familienmitglieder, keineswegs Homosexuelle. Diese über 90% männlichen Täter, findet man quer durch alle Schichten, oft waren sie als Kinder selbst sexueller Gewalt ausgesetzt. Das trifft auch auf viele Müt­ter zu, die ihren Kindern nicht helfen, obwohl mindestens die Hälfte der Mütter von dem Inzest weiß. Alle Kinder versuchen Hilfe zu bekommen, aber selbst wenn sie es klar aus­sprechen, müssen sie im Durchschnitt sechs Erwachsene ansprechen, bis ihnen jemand glaubt.

2.2 Zahlen (Folgen schwer, aber ...)

Drei von vier Frauen in der Psychiatrie,
Drei von vier Frauen mit Essstörungen und
vier von fünf Drogenabhängigen, haben Erfahrungen mit sexueller Gewalt.
Jede Zweite mit der Diagnose Schizophrenie hat Inzest erlebt.  

Noch wenig erforscht ist die Diagnose multipel, man vermutet jedoch inzwischen, dass viele Patienten in der Psychiatrie eher multipel, als schizophren sind. Aus diesen Zahlen kann man ablesen, wie schwerwiegend die Folgen von sexuellem Missbrauch häufig sind, doch man kann auch erkennen, dass es ganz viele nach außen hin, unauffällige ehemalige Missbrauchsopfer gibt.

Von 100 Frauen haben 24 sexuelle Gewalt erlebt und  
von 100 Männern sind 12 sexuell ausgebeutet worden,
doch unter 100 Männern sind auch mindestens fünf Täter. 

2.3 Zahlen (Folgen wenn keiner hilft, 10% Anzeigen)

Die traumatischsten, tiefgreifendsten Folgen entstehen meistens erst dann, wenn es entweder immer wieder geschieht, bzw. wenn niemand hilft. Darum sollten viele Menschen auf Signale von Kindern achten, indem sie genauer hin­sehen, wenn ein Kind ungewöhnlich reagiert.Leider ist die Realität noch immer anders, nur etwa 10% aller Taten werden angezeigt, Kinder haben kaum eine Chance auf Hilfe, doch noch viel schlechter sieht es später aus.

3 Erwachsenenrealität
3.1 Therapie

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Erwachsene Inzestopfer werden nicht ernst genommen, es gibt nur wenige sinnvolle Therapiemöglichkeiten und diese werden meist nicht über die Kran­kenkasse finanziert. Da die meisten Opfer sich erst nach einer Therapie zu einer Anzeige entschließen könnten, wenn sie selbst bereits über dreißig Jahre alt sind, ist es dann oft zu spät.

3.2 Verjährung

Denn die bestehenden Verjährungsfristen dieser Taten lassen eine spätere Anzeige kaum zu. Deshalb müssen die meisten ihre im Durchschnitt etwa fünf Jahre dauernde Therapie selbst bezahlen. Denn zehn Jahre Verjährungsfrist für sexuelle Nötigung sind ebenso unzureichend, wie 20 Jahre für eine Vergewalti­gung. Im Übrigen beinhaltet eine Vergewaltigung definitionsgemäß nur den Vaginalverkehr, als ob eine orale oder anale Verge­waltigung weniger schlimm wären.

4  Folgen
4.1 Allgemein

Ich beziehe mich im folgenden mehr auf Frauen, da zum einen sexuelle Aus­beutung an Mädchen häufiger ist, und da es außerdem bisher nur wenig Infor­mationen und Untersuchungen über Jungen und Männer gibt.

Sehr oft wird auch den inzwischen Erwachsenen der Inzest nicht geglaubt, selbst die Mütter streiten es lieber weiterhin ab, oder geben den Kindern die Schuld am Geschehen. Leider können auch heutzutage selbst Fachleute, wie z.B. Ärzte, Polizisten, Lehrer und Erzieher, Anzeichen, die auf sexuellen Missbrauch deuten könnten, nur selten erkennen. 

4.2 Auswirkungen
4.2.1 Selbstwert (hässlich, schmutzig, andere denken das auch)

Ehemalige Inzestopfer haben einen gestörten Selbstwert. Da gibt es die Angst vor der Entdeckung, ein Inzestopfer zu sein, die Angst dass man es sieht, denn der Inzest wird als persönlicher Makel empfunden. Viele Mädchen haben als Kinder Abmachungen getroffen, um den Familienfrieden zu erhalten. Darum schweigen sie bis ins Erwachsenenalter oder sogar lebenslang. Sei es, um die Mutter zu schützen oder weil sie sich für mitschuldig am sexuellen Missbrauch halten. Oft werden Kinder mit Gewalt zum Schweigen gebracht, doch häufig genügt der psychische Druck auf ein Kind, damit es schweigt, denn es glaubt sehr bald, dass es schuldig und schmutzig ist.

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Die meisten Frauen haben ein sehr schlechtes Selbstbild. Sie halten sich nicht für hübsch und schon sehr früh glauben sie, dass sie anders sind, dass sie nicht dazu gehören. Diese Meinung ist zum Teil sicher richtig, denn oft können sie weder weinen, noch mit anderen Gefühlen umgehen.  

Die meisten Betroffenen haben Angst verrückt zu werden, weil sie nicht verstehen, was in ihnen abläuft. Hinzu kommen jedoch noch Dinge, wie das Gefühl, nichts zu können, immer alles falsch zu machen, nie genug getan zu haben und auch nicht das Recht zu haben, erfolgreich und glück­lich zu sein. Oft glauben sie außerdem, dass auch andere sich für sie schämen.

4.2.2 Beziehungen (Körperkontakt)

Daher haben sie Schwierigkeiten mit Beziehungen, viele Betroffene haben Angst vor Körperkontakt, nicht nur in sexueller Hinsicht.

Beziehungen, gleich welcher Art sind ein riesiges Problem, selbst mit Kindern ist es schwierig. Denn Kindern gegenüber gibt es eine riesige Angst, Grenzen zu überschreiten, die Betroffenen befürchten, selbst Täter zu werden. Doch gerade die, die sich mit ihrer Vorgeschichte auseinandergesetzt haben, werden nur sehr selten Täter, meistens sind sie eher übervorsichtig.In Beziehungen mit Erwachsenen fallen Betroffene oft von einem Extrem ins andere, entweder sie vertrauen völlig und geraten dann in Gefahr, ausgenutzt zu werden oder sie misstrauen so sehr, dass sie sich jede Chance auf Kontakte nehmen.  

Inzestopfer haben in ihrer Kindheit gelernt, dass es gerade in sehr nahen Bezie­hungen gefährlich ist, daher haben sie Angst vor Nähe. Also Angst vor Men­schen, Angst davor, nicht dazu zu gehören, Angst, anderen gegen­über etwas falsch zu machen, und häufig haben sie Panikanfälle, wenn irgendwo viele Menschen sind.

4.2.3 Partner, Sexualität

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Das alles wirkt sich natürlich auch auf partnerschaftliche Beziehungen aus. Da kommt dann noch erschwerend die Sexualität hinzu. Darum enden Partner­schaften ohne Therapie, fast immer entweder wieder in Missbrauchsbeziehungen oder manchmal dann doch darin, selbst zum Täter zu werden.

Große Schwierigkeiten haben die meisten Betroffenen mit Sexualität. Angefangen von Angst vor der Sexualität, über unerwünschte, meist gewalttätige Phantasien, bis hin zum anderen Extrem der Prostitution. Kinder werden oft mit kleinen Beloh­nungen unter Druck gesetzt, und manche Erwachsene empfinden die Bezahlung bei  der Prostitution als zwar unangenehme, aber vertraute Situation. Lustgefühle werden meistens als falsch und schmutzig empfunden, daher funktioniert Sexualität bei vielen nur als reine sexuelle Funktion, ohne echte Gefühle.

4.3 Körper
4.3.1 Psychosomatik (Verspannungen, Zysten, Allergien)

Sexueller Missbrauch hinterlässt auch körperliche Spuren zumindest im psycho­somatischen Bereich. Dazu gehören Verspannungen und Zysten, aber auch Allergien, dabei vor allem Hautprobleme. Bauchschmerzen und Blutungen, außerhalb der normalen Menstruation, sowie Probleme mit der Menstruation sind schon fast der Normalfall.

4.3.2 Unfälle

Viele Opfer sind überdurchschnittlich oft in Unfälle verwickelt, bei denen sie sich auffallend häufig Verletzungen verschiedenster Art zuziehen.

4.4 Psyche
4.4.1 Depressionen, Suizid

Wenn Kindern nicht schon sehr früh geholfen wird, dann kommt es zu verschie­densten, psychischen Spätfolgen im Erwachsenenalter. Häufige psychische Störungen sind ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, sowie Sprach-, Ess- und Konzentrationsstörungen, fast immer in Verbindung mit starken Depressionen, bei denen auch Suizidabsichten nur selten fehlen.

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4.4.2 Zwänge

Ebenfalls zu den psychischen Störungen gehören Süchte und Zwänge, darunter z.B. Bulimie, Drogenabhängigkeiten oder der Waschzwang und der Kontrollzwang.

4.4.3 Phobien, Panikanfälle

Ängste, darunter die Angst, bedroht und verfolgt zu werden, haben die meisten Betroffenen. Phobien verschiedenster Art, z.B. Klaustrophobie, d.h. Angst eingesperrt zu sein, sind eine weitverbreitete Folge. Fast immer gibt es auch Panikanfälle, in denen plötzlich, unvermittelt und, ohne einen nachvollziehbaren Grund, Todesangst entsteht, die oft zu Zitteranfällen und zu Handlungsunfähig­keit, bis hin zur Bewegungsunfähigkeit führt.

4.5 Auslöser
4.5.1 Husten, Bilder

Daher entstehen oft schwierige Situationen, sobald jemand z.B. hustet, stöhnt oder flüstert, eben irgend etwas tut, was an die Missbrauchssituation erinnert. Doch es kann ebenso gut ein Foto von einer nackten Frau oder eine harmlose Geste Auslöser für einen Panikanfall sein, weil die Betroffenen dann nur noch in dem Gefühl der Todesangst von damals sind. Oft kennen sie nicht einmal selbst diesen Zusammenhang.

Nur wenige ehemalige Inzestopfer fühlen sich irgendwo sicher, denn immer wieder vermischt sich die Realität mit dem Erlebten, dann "steht auch heute plötzlich jemand neben ihnen", der ihnen weh tun will.

4.5.2 Gefühle von damals

Alltägliche, kleine Auslöser führen dazu, dass alte Gefühle, wie Schmerz, Trauer, Wut und Scham wieder hochkommen, denn Kinder können diese Gefühle in Missbrauchssituationen nicht voll erleben, weil sie es nicht verkraften würden. Doch auch als Erwachsene werden sie plötzlich mit diesen Gefühlen überschwemmt, ohne sie zuordnen zu können.

4.6 Gefühle
4.6.1 Abspalten (Angst verrückt zu werden)

Alle erwachsenen Missbrauchsopfer können sich auf irgendeine Art spalten. Manche spalten nur ihre Gefühle in unangenehmen Situationen ab und fühlen dann nicht, dass sie z.B. Angst haben. Andere können auch ihren Körper von sich abspalten, so dass sie z.B. keine Schmerzen mehr fühlen. Häufig beschrei­ben Frauen, dass sie in der Missbrauchssituation an der Decke schwebten und sich selbst beobachtet haben, ohne noch in ihrem Körper zu sein.

Eine extreme Form des Abspaltens ist die multiple Persönlichkeitsstörung, dabei werden dann verschiedene Personen in einem Körper entwickelt, die unabhängig voneinander die Kontrolle über den Körper übernehmen, aber die nichts von der Existenz, der anderen in sich wissen. 

In der Kindheit entstehen solche Abspaltungen, wenn es keine andere Mög­lichkeit gibt, die Situation zu überleben, in der Literatur werden Inzestopfer darum oft mit KZ-Opfern verglichen, da es zum Teil ähnliche Folgen gibt.

4.6.2 Was ist Wut?

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Gefühle, die jahrelang unterdrückt werden mussten, tauchen später in extremer Form wieder auf. Vor allem  Männer sind dann manchmal über Monate nur noch wütend und reagieren auch dementsprechend aggressiv.

Frauen neigen eher dazu ihre Gefühle auch weiterhin zu unterdrücken, so dass sie nur selten überhaupt etwas fühlen und wenn, dann wissen sie meistens nicht was sie gerade fühlen. Sie können Wut, Enttäuschung, Trauer und Angst oft nicht erkennen, sie spüren nur, dass irgend etwas nicht stimmt. Nichts fühlen zu können schließt alle Gefühle ein, also auch Freude oder Zufriedenheit.

4.7 Autoaggression
4.7.1 Sucht

Diese Gefühle sind deshalb aber nicht weg, und da sie nicht gefühlt werden, reagieren Frauen häufig mit Autoagressionen. Eher versteckte Formen sind Essstörungen  und Drogenmissbrauch, sowie stoffunabhängige Süchte, wie z.B. Arbeits- oder Spielsucht. Oft werden auch die Bedürfnisse des Körpers einfach ignoriert, die Betroffenen reagieren nicht mehr auf die Signale ihres Körpers, wie Müdigkeit, Hunger, Durst oder Krank­heit.

4.7.2 Direkte Autoaggression

Selbstzerstörung, das beinhaltet eine ganze Palette verschiedenster Möglich­keiten. Dabei gibt es eindeutige und verstecktere Formen. Es gibt die klaren Verletzungen, bei denen sich die Betroffenen blutig kratzen, sich absichtlich Verbrennungen zufügen oder sich schneiden, in verschieden starken Variationen. Doch es gibt auch Formen, wie sich die Haare auszureißen, sich die Lippen aufzubeissen, vorhandene Verletzungen nicht heilen zu lassen, oder diese absicht­lich schlecht bis gar nicht zu versorgen.

4.7.3 Warum Autoaggression?

Es gibt viele verschiedene Gründe für Selbstverletzungen. Dazu gehört, nicht fühlen zu wollen, wie groß der innere Schmerz ist. Ein häufiger Grund ist, Macht über den Körper zu bekommen, der vielleicht in der Missbrauchssituation reagiert hat und nun bestraft und kontrolliert werden soll.

Autoaggression ist ein Mittel, um die inneren Verletzungen nach außen zu bringen, die entstehenden Wunden, die sichtbar sind, sollen anderen Menschen sagen, wie schlimm es war und immer noch ist, denn aussprechen können es die Betroffenen meistens nicht.  Nachdem sie sich verletzt haben, spüren sie ihren Körper wieder, und wissen, dass sie noch lebendig sind. Hinzu kommt bei manchen noch, dass es das Gefühl gibt, wenn etwas weh tut, wenn etwas ganz schrecklich ist, dann ist es danach wenigstens für diese Nacht vorbei.

5  Konsequenzen
5.1 Energieverbrauch

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Jeder Mensch, der mit solchen Folgen lebt, muss unheimlich viel Kraft und Energie darauf verwenden, im Alltag einigermaßen unauffällig funktionieren zu können. Denn dauernd müssen Gefühle und Reaktionen unterdrückt werden, die in aktuellen Situationen unangemessen sind.

5.2 Nachholen

Menschen mit einer Inzestgeschichte hatten so gut wie keine Kindheit und vieles was Kinder automatisch nebenbei lernen, muss mühsam im Erwachsenenalter nachgeholt werden. Manches läßt sich nicht mehr vollständig reparieren, z.B. werden sie niemals wissen, wie es ist, wenn man unbeschwert im passenden Alter und mit eigenem Tempo Sexualität entdeckt, aber einiges kann zumindest verbessert werden. Dazu gehören Bereiche, wie kindliches Vertrauen, Unbeschwertheit und so etwas wie Sicherheit und Geborgenheit. Um von solchen Folgen zu heilen muss auch ein Stückchen Kindheit nachgeholt werden, z.B. spielen, Spaß haben oder einfach einmal albern sein. Alle Inzestbetroffenen sind im Erwachsenenalter phasenweise manchmal die Kinder, die sie waren bevor sie missbraucht wurden. Es ist nicht nötig, dass sie jeden Tag, der ihnen fehlt, als Kinder erleben, aber sie müssen diesen kindlichen Teil in sich langsam erwachsen werden lassen.

 Schweigen brechen, akzeptieren

Einer der schwierigsten Punkte bei sexueller Ausbeutung ist, dass die Kinder so zum Schweigen gebracht werden, dass sie bis ins Erwachsenenalter nicht darüber reden. Dadurch zweifeln sie auch immer an sich und glauben nicht, was ihnen angetan wurde. Dabei erhalten sie sich ihre Schuldgefühle und wenn sie sich weiter schuldig fühlen, dann glauben sie weiterhin, dass sie etwas hätten verändern können. Doch gleichzeitig bleibt ihnen ihre gestörte Wahrnehmung und sie glauben auch in der Realität nicht an das, was sie wahrnehmen. Die Folgen können aber nur dann wirksam verändert werden, wenn die Betroffenen ihre Geschichte als wahres Erlebnis anerkennen.

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Langsam gibt es Veränderungen, weil erwachsene Frauen öffentlich von ihrer Inzestgeschichte erzählen und weil Beratungsstellen eingerichtet wurden, um bei der Bekämpfung der Folgen zu helfen. Doch viele Inzestopfer glauben immer noch jahrelang, dass so etwas nur ihnen passiert wäre, und viele Täter glauben weiterhin, es sei ein harmloses Kavaliersdelikt Kinder sexuell auszubeuten.

5.3 Nicht verrückt, angemessen auf Todesnäheerfahrung

Es gibt viele Überlebende sexueller Gewalt, man sollte ihnen glauben, sie haben keine Schuld, und sind nicht nur aus Folgen bestehende Opfer, sie haben auch viele andere Eigenschaften. Doch vor allem sind sie nicht verrückt, die bestehenden Schäden und Folgen sind angemessene Reaktionen auf Todesnäheerfahrungen. In solchen Extremsituationen zählt nicht was richtig oder verkehrt ist, sondern nur was das weiterleben ermöglicht.

5.4 Es kann geholfen werden

Wenn viele Menschen etwas dafür tun, dass die Informa­tion über sexuellen Missbrauch weiter getragen wird und wenn viele Betroffene davon hören und wissen, dass sie nicht die einzigen sind, denen so etwas passiert; dass sie nicht schuld daran sind; dass sie das Schweigen brechen dürfen, dann wird sich etwas ändern.

Alle Menschen mit einer Inzestgeschichte brauchen vor allem andere Menschen, die sie nicht missbrauchen, die ihnen glauben und die sie darin unterstützen, die Folgen zu bekämpfen, damit sie lernen können, mit dieser Vergangenheit zu leben. Darum denke ich, dass fast jeder irgendwann einmal etwas tun kann.  

6  Schlusswort

Ich wünsche mir noch viel mehr Öffentlichkeit für dieses Thema. Nur wenn das Tabu des Inzest nicht mehr aufrecht erhalten wird, sondern darüber geredet wird, nur dann besteht die Möglichkeit, Kinder wenigstens in Zukunft wirksamer vor allen Formen sexueller Gewalt zu schützen.

Außerdem erhoffe ich mir für alle Kinder, auch für die, die inzwischen erwachsen geworden sind, noch viel mehr Unterstützung und Hilfsmöglichkeiten, als die, die es bisher gibt.
Aus diesem Grund habe ich mir dieses Referatsthema ausgesucht.  
uh 96

Angegebene Zahlen aus der aufgeführten Literatur und der Broschüre des Bundesministeriums für Frauen und Jugend: "Wie kann ich mein Kind vor Gewalt schützen "

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